Digitalisierung
Vereinswebsite selbst bauen: die Checkliste
Die meisten Vereinswebsites scheitern nicht am Design, sondern an der Pflege. Wer das von Anfang an einplant, kommt mit erstaunlich wenig Aufwand aus.
ClubVivo-Redaktion4 Minuten Lesezeit
Kurz gesagt
Fünf bis acht vollständige Seiten schlagen zwanzig halbfertige. Interessierte suchen Trainingszeiten, Beitrag, Schnupperangebot, Altersgrenze und Ansprechpartner — sind diese fünf Antworten nicht in zehn Sekunden zu finden, ist der Besucher weg. Pflicht sind Impressum und eine zur Website passende Datenschutzerklärung. Domain und Zugänge müssen dem Verein gehören, nicht einer Privatperson.
Zuerst: Wer soll hier eigentlich etwas finden?
Vereinswebsites werden oft für die eigenen Mitglieder gebaut und dann darüber geärgert, dass keine neuen Mitglieder kommen. Das sind zwei verschiedene Zielgruppen mit gegensätzlichen Bedürfnissen: Mitglieder suchen Termine und Ansprechpartner, Interessierte suchen Antworten auf ganz andere Fragen.
- Wann und wo findet das Training für mein Kind statt?
- Was kostet die Mitgliedschaft im Jahr?
- Kann man erst einmal schnuppern, und wie meldet man sich an?
- Ab welchem Alter geht das?
- Wen rufe ich an, wenn ich eine Frage habe?
Wenn eine dieser fünf Antworten nicht binnen zehn Sekunden zu finden ist, verliert ihr den Interessenten — unabhängig davon, wie schön die Startseite aussieht.
Pflicht: Impressum und Datenschutzerklärung
Beides gehört von jeder Seite aus mit einem Klick erreichbar in die Fußzeile. Das Impressum nennt den Verein mit vollständiger Anschrift, die Vertretungsberechtigten, Kontaktdaten und, sofern vorhanden, das Vereinsregister mit Registernummer und Registergericht.
Die Datenschutzerklärung muss zur tatsächlichen Website passen. Eine aus dem Netz kopierte Erklärung, die Dienste beschreibt, die ihr gar nicht einsetzt — oder umgekehrt eure eingebettete Karte verschweigt —, ist schlimmer als keine.
Struktur: fünf bis acht Seiten reichen
Der häufigste Fehler ist eine Navigation mit zwanzig Punkten, von denen die Hälfte auf leere Seiten führt. Beginnt klein und vollständig statt groß und lückenhaft.
- Startseite: Wer sind wir, was bieten wir, wo sind wir — plus der wichtigste Handlungsaufruf.
- Angebote: je Gruppe oder Kurs Zeit, Ort, Altersklasse, Ansprechpartner und Anmeldung.
- Termine: der Vereinskalender, automatisch gefüllt statt handgepflegt.
- Mitglied werden: Beiträge, Aufnahmeantrag, Ablauf.
- Über uns: Vorstand, Geschichte, Satzung zum Download.
- Kontakt: Formular, Adresse, Anfahrt.
- Impressum und Datenschutz.
Lokal gefunden werden
Vereine werden fast ausschließlich lokal gesucht: „Schwimmkurs Kinder Hannover", „Handball Verein in der Nähe", „Turnen Kleinkinder Linden". Eure Website sollte genau diese Kombination aus Angebot und Ort in Text und Überschriften tragen — nicht als Stichwortliste, sondern in normalen Sätzen.
- Ort und Stadtteil im Seitentitel und in der Überschrift der Angebotsseiten nennen.
- Vollständige Adresse der Sportstätten auf der Seite, nicht nur im Impressum.
- Je Standort eine eigene Seite, wenn ihr an mehreren Orten trainiert.
- Einen Eintrag im Branchenverzeichnis von Google pflegen und aktuell halten.
- Von der Website des Verbands oder der Gemeinde verlinken lassen.
Inhalte, die nicht veralten
Nichts wirkt so verlassen wie eine Vereinswebsite, deren letzte Meldung zwei Jahre alt ist. Der Ausweg ist nicht, mehr zu schreiben, sondern weniger Datiertes zu bauen: Wer keine „Aktuelles"-Rubrik hat, hat auch keine veraltete.
Setzt stattdessen auf Inhalte, die sich selbst aktualisieren — einen Terminkalender, der aus der Verwaltung gespeist wird, und Angebotsseiten, die freie Plätze und aktuelle Zeiten aus demselben System ziehen, mit dem ihr ohnehin arbeitet. Was ihr einmal im Verwaltungssystem ändert, steht dann sofort auf der Website.
Technik: was wirklich zählt
- Auf dem Handy bedienbar — die Mehrheit eurer Besucher kommt vom Telefon.
- HTTPS mit gültigem Zertifikat; ohne das warnt der Browser.
- Ladezeit unter zwei Sekunden; große unkomprimierte Fotos sind der übliche Grund.
- Lesbare Schriftgrößen und ausreichende Kontraste — eure Zielgruppe ist nicht nur 25.
- Eine Sitemap, die Suchmaschinen alle Seiten zeigt.
- Aussagekräftige Seitentitel: nicht „Startseite", sondern was die Seite bietet.
Wenn ihr Karten oder Videos einbindet, achtet darauf, dass sie erst nach ausdrücklicher Zustimmung geladen werden. Sonst fließen Daten eurer Besucher ab, bevor jemand zugestimmt hat.
Wer pflegt das Ganze?
Die ehrlichste Frage zum Schluss. Eine Website, die nur eine Person bearbeiten kann, ist ein Risiko — und eine, die nur der Webdesigner ändern kann, wird nicht geändert. Achtet darauf, dass mindestens zwei Personen im Vorstand Inhalte anpassen können, ohne HTML zu schreiben und ohne eine Rechnung auszulösen.
Domain und Zugänge gehören dem Verein
Ein Klassiker mit unangenehmem Ausgang: Die Domain läuft auf den privaten Account des Mitglieds, das die Website vor zehn Jahren gebaut hat. Wenn diese Person den Verein im Streit verlässt oder nicht mehr erreichbar ist, steht der Verein ohne seine Adresse da — und ohne die Möglichkeit, sie zurückzuholen.
- Domain auf den Verein registrieren, mit einer Vereinsadresse als Inhaberkontakt.
- Zugangsdaten an mindestens zwei Vorstandsmitglieder, dokumentiert und aktuell.
- E-Mail-Adressen auf der eigenen Domain statt privater Freemail-Konten.
- Rechnungen für Domain und Hosting laufen über das Vereinskonto.
- Beim Vorstandswechsel Zugänge übergeben und alte entziehen — beides.
Barrierearm bauen — es betrifft mehr Leute als gedacht
Barrierefreiheit klingt nach einem Thema für Spezialisten und ist doch überwiegend Handwerk. Der größere Teil eurer Besucher profitiert direkt davon: ältere Mitglieder, Menschen mit schlechter Verbindung, alle, die auf dem Handy in der Sonne lesen.
- Ausreichender Kontrast zwischen Text und Hintergrund; hellgrau auf weiß ist keiner.
- Alternativtexte für Bilder, die Information tragen.
- Verständliche Linktexte statt „hier klicken".
- Alles mit der Tastatur bedienbar, auch Menü und Formulare.
- PDF-Downloads nicht als einzige Quelle — Trainingszeiten gehören auf die Seite, nicht nur in ein PDF.
- Sinnvolle Überschriftenhierarchie: eine H1 je Seite, darunter H2.
Der letzte Punkt zahlt doppelt: Eine saubere Überschriftenstruktur hilft Screenreadern und Suchmaschinen gleichermaßen. Das ist der seltene Fall, in dem Barrierefreiheit und Auffindbarkeit dieselbe Maßnahme sind.
Häufige Fragen
Was muss auf eine Vereinswebsite unbedingt drauf?
Impressum und Datenschutzerklärung als Pflicht, dazu die fünf Antworten, die Interessierte suchen: Trainingszeiten und Ort, Beitragshöhe, Schnupper- und Anmeldemöglichkeit, Altersgrenzen und ein Ansprechpartner.
Was gehört ins Impressum eines Vereins?
Der Verein mit vollständiger Anschrift, die vertretungsberechtigten Personen, Kontaktdaten und — sofern eingetragen — das Vereinsregister mit Registernummer und Registergericht.
Wie wird ein Verein lokal bei Google gefunden?
Vereine werden lokal gesucht: Angebot plus Ort. Nennt Ort und Stadtteil in Seitentiteln und Überschriften der Angebotsseiten, gebt ihr die vollständige Adresse der Sportstätten an, legt ihr je Standort eine eigene Seite an und pflegt ihr einen Eintrag im Branchenverzeichnis.
Wem sollte die Vereinsdomain gehören?
Dem Verein, mit einer Vereinsadresse als Inhaberkontakt und Rechnungen über das Vereinskonto. Läuft die Domain auf ein privates Konto, steht der Verein bei einem Zerwürfnis ohne seine Adresse da.